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Paleo-Ernährung – von Mammuts und Insekten

Der Begriff „Paleo“ ist eine Abkürzung für das englische Wort „paleolithic“, was so viel wie „steinzeitlich“ bedeutet. Auch wenn die Paleo-Ernährung von Kritikern gerne belächelt wird und man als Steinzeitmenschen auf Mammutjagd dargestellt wird, so ist das nicht die zentrale Aussage der Paleo-Ernährung und zeigt nur dass sich diese Personen nicht mit der Thematik auseinandergesetzt haben oder es einfach falsch verstehen wollten. 

Vielmehr steht der Begriff „Paleo“ als Platzhalter für eine Idee oder ein Konzept. Als ein Platzhalter für eine artgerechte Ernährung, eine Ernährung, an die wir durch evolutionäre Prozesse über viele 100.000 Jahre optimal angepasst sind. 

Wir Menschen neigen dazu und als, separat oder abgegrenzt von der Umwelt wahrzunehmen. Doch, wir sind und waren Teil eines Ökosystems. Die Tatsache, dass wir mit e-Autos fahren und mit Raketen ins All düsen, lässt uns gerne vergessen, dass wir eigentlich steinzeitliche Jäger und Sammler sind, die in einer industriellen Welt leben, an die wir schlecht adaptiert sind. Darum stellt sich die Frage, woran sind wir angepasst? Was ist für das Tier „Mensch“ artgerecht? 

Wofür wir gemacht sind 

Die Frage, die wir uns also stellen ist: „Woran sind wir am besten angepasst, und was ist für den Menschen „artgerecht“? Allgemein lässt sich auf jeden Fall festhalten, dass der Mensch ein Allesfresser und Opportunist bei der Nahrungsauswahl ist. Diese Flexibilität erlaubte dem Menschen alle Klimazonen der Erde zu besiedeln. Doch gibt es Lebensmittel, die besonders wichtig für uns sind? Oder welche, die keine sonderliche Rolle in unserer Entwicklung gespielt haben? 

Wo kommen wir her? 

Vor etwa 2,6 Millionen Jahren begann das jüngste Eiszeitalter, das Quartär, das bis heute andauert. Diese Veränderung hatte zur Folge, dass die ausgedehnten Wälder in Afrika zurück gingen und sich offenes Grasland bildete. Ein aufrechter Gang und die Verlagerung von Früchten und pflanzlicher Nahrung auf tierische sind von Vorteil. 

Vor 2,5 Millionen Jahren treten die ersten Steinwerkzeuge auf. Dies markiert den Beginn der Steinzeit (Paläolithikum). Die Verwendung von Steinwerkzeugen eröffnete den frühen Menschen ein neues Nahrungsspektrum. Der Schädel und die Knochen von erlegten Tieren konnten oft selbst die großen Raubtiere nicht knacken. Frühmenschen, wie Australopithecus, konnten also, die Reste, die die großen Räuber übrig ließen für sich nutzbar machen. Mit der Entwicklung von Steinwerkzeugen steigt also der Anteil tierischer Nahrung an. Hier vor allem Gehirn, Knochenmark und Zunge – Teile, die von den großen Raubtieren nicht konsumiert werden konnten (i).

Jäger und Sammler heute 

Es gibt auch heute noch traditionell lebende Jäger und Sammler Gesellschaften. Gruppen von Menschen, die unserer paläolithischen Lebensweise sehr nahekommen. Der große Vorteil ist, anstatt mühsam uralte Knochenstücke zu analysieren, können wir diese Menschen direkt beobachten. Beobachtungstudien, welche vor allem Anfang und Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts an den wenigen noch lebenden Jäger-Sammler Gesellschaften durchgeführt wurden, zeigten dass diese so gut wie frei von kardio-vaskulären Erkrankungen, Krebs, Übergewicht und anderen sogenannten Zivilisationskrankheiten waren. (ii) Ein weitverbreiteter Irrglaube ist, dass Jäger und Sammler jung sterben würden. Dies ist eindeutig widerlegt. Die Lebenserwartung liegt zwischen 70 und 80 Jahren (iii) 

Wir essen die Nahrungsmittel, zu denen wir Zugang haben. Internationaler Handel und effizientere Transportsysteme haben das verändert. Wir können heutzutage in Österreich Bananen aus Costa Rica essen, in Schweden Kokosnüsse aus Thailand und in den USA Käse aus der Schweiz. Blickt man allerdings zurück, so weiß man, dass der prähistorische Mensch nur lokal verfügbares gegessen hat. Dasselbe gilt auch für moderne Jäger-Sammler 

Gesellschaften. Ihr Speiseplan besteht aus lokalen und saisonalen Nahrungsmitteln. Abhängig von Breitengrad und Klimazone gibt es hier eine große Variabilität, allerdings finden sich auch gewisse Gemeinsamkeiten, die für alle modernen Jäger-Sammler Gesellschaften gelten. (iv) 

 

1. Präferenz für tierische Nahrungsquellen, wobei bei den meisten mehr als 50% der aufgenommenen Kalorien aus tierischen Quellen stammt. 

2. Keine Jäger-Sammler Gesellschaft, die zu 100 % auf pflanzliche Nahrung setzten. (v) 

3. Die Nährstoffverteilung liegt ca. bei 1/3 Kohlenhydrate, 1/3 Eiweiß und 1/3 Fett. 

 

Was ist nun „artgerecht“? 

Lesen wir „tierische Nahrungsquellen“, dann denken wir sofort an das Mammut am Teller. Tatsächlich spielen Insekten, Weichtiere, Kleinsäuger, Reptilien und Amphibien eine wichtige Rolle in traditionellen Gesellschaften. Besonders Insekten sind eine hochgeschätzte und wertvolle Proteinquelle. Überall dort wo Insekten vorkommen, sind sie ein äußerst wichtiger Teil der Ernährung für alle Jäger und Sammler Kulturen. 

Ernährungstipps für moderne Jäger und Sammler 

Im Zentrum einer Ernährungsweise nach evolutionärem Vorbild, stehen echte, möglichst unverarbeitete Lebensmittel: 

  • Fleisch, Innereien, Knochenmark, Knochen 
  • Fisch und Meeresfrüchte 
  • Insekten und Schnecken 
  • Eier 
  • Gemüse 
  • Obst (mit wenig Zuckergehalt) 
  • Nüsse und Samen 

Zusätzlich gilt, möglichst saisonal und regional. Sowie aus artgerechter Tierhaltung. 

Quellen:

(i) de Heinzelin, Jean, et al. "Environment and behavior of 2.5-million-year-old Bouri hominids." Science 284.5414 (1999): 625-629. 

(ii) Eaton SB, et al. Stone agers in the fast lane: chronic degenerative diseases in evolutionary perspective. Am J Med. 1988 Apr;84(4):739-4 

(iii) Gurven, Michael, and Hillard Kaplan. "Longevity among hunter‐gatherers: a cross‐cultural examination."Population and Development review 33.2 (2007): 321-365. 

(iv) Cordain, L. 2002. The paradoxical nature of hunter-gatherer diets: meat-based, yet non-atherogenic. Eur J Clin Nutr. 2002 Mar;56 Suppl 1:S42-52 

(v) Cordain, Loren, et al. "Plant-animalsubsistenceratiosandmacronutrientenergyestimationsin worldwidehunter-gathererdiets."The American journalofclinicalnutrition71.3 (2000): 682-692.